Photopeintures

auf Fotos gemalt



Zu den Photopeintures

Durch die sich auflösenden Grenzen der Objektivität der Wirklichkeit, der Subjektivität der Wahrheit und der in den Alltag einbrechenden Virtualität, lässt sich die Herkunft unserer Bildeindrücke nicht mehr eindeutig rückführen.
Meine Malerei ist also wahrer als jede nicht selber aufgenommene Fotographie; sie vermittelt eine einzigartige Authentizität.
Ein Foto kann Ursprung und Anlass zu Malerei sein. Wir haben heute Zugang zu Bildquellen und Bildmaterial, welches in den vielfältigsten Kombinationen und durch manipulierte Transfers zu neuen Inhalten mutiert. Dadurch kann auch der Assoziationsgehalt fast beliebig gesteuert werden. Durch die heutigen Mittel, in die Fotorealität einzugreifen und diese mit subjektiven Wertungen ihrer Herkunft zu entziehen, kann sie Gesichtszüge der Malerei annehmen. Die digitalen Eingriffe sind hier jedoch nur ein Aspekt der Gestaltungsmöglichkeiten.
Mich interessieren seit drei Jahren die maltechnischen Möglichkeiten, der Fotografie ihren malerischen Gehalt abzugewinnen, welcher schon bei deren Aufnahme meine Aufmerksamkeit gewinnt. Dieses Assoziationspotential eines noch nicht Malerei gewordenen Bildeindrucks lässt mich in der Fotografie die Malerei erkennen. In einem Malprozess mit vielen Malgängen entsteht ein "wahres" Bild, ein Bild das so endgültig jeglicher Wiederholung oder Vervielfältigung entzogen ist. Hiervon kann wieder ein Foto genommen werden, welches nun durch meine eingreifende Malerei noch näher bei mir ist und welches wiederum eine erneute Ausgangslage für die nächste malerische Annäherung darstellt. So kann ich mich einer über-wirklicheren Bildwelt annähern bis sie meiner Wahrheit entspricht. Dadurch kann ich unmittelbar eine mögliche Wirklichkeit zu meiner Wahrheit machen und die Wahrnehmung und nicht das Bild zum Thema machen.
Wo mich dieser Weg noch hinführen wird, ist unabsehbar, aber wahr.

(Hanspeter Fiechter)